Transformationale und Transaktionale Führung

Transformationale Führung: Definition, Test, Vorteile und Praxis

Was ist Transformationale Führung?

Transformationale Führung ist die Fähigkeit von Führungskräften, ihre Vorbildfunktion überzeugend wahrzunehmen und dadurch Vertrauen, Respekt, Wertschätzung und Loyalität zu erwerben. Die Mitarbeiter werden intrinsisch motiviert und zur Veränderung (Transformation) ihres Verhaltens und ihrer Lern- und Leistungsbereitschaft inspiriert.*

Transformationale Führung im Überblick

Die folgende Abbildung zeigt einen zusammenfassenden Überblick über die Transformationale Führung – entwickelt und validiert mit rund 14.000 deutschen Fach- und Führungskräften (Details siehe Publikation).

Transformationale Führung: Definition, Bedeutung und Praxis

Abbildung 1: Definition der Transformationalen Führung (deutsche Unternehmenskultur)
Anmerkung: In der amerikanischen Version fehlen die erfolgsrelevanten Kompetenzen "Unternehmerische Haltung" und "Umsetzungskompetenz"

Transformationale Führung - Coaching für Führungskräfte

Erfolgsfaktoren in der Praxis

Bei der Umsetzung der Transformationalen Führung in der Praxis sollte man beachten, worauf es ankommt: Wirtschaftlicher Erfolg und Persönlichkeit. Die vier angloamerikanischen Kompetenzen (nach Bass und Avolio) muss man im Kontext sehen und auf die Praxis in Deutschland anpassen: 

  • Der überdurchschnittliche Erfolg der Transformationalen Führung entsteht in der Praxis nur dann, wenn Führungskräfte grundlegende Managementkompetenzen sowie Planungs- und Steuerungssysteme beherrschen.
  • Transformationale Führung wird in der Praxis auch dann nicht viel bewirken, wenn sie nicht zur Persönlichkeit und Wertorientierung der Führungskräfte passt (siehe dazu den Persönlichkeitstest sowie die Übersicht über die wichtigsten Stärken und Schwächen).  
  • In jedem Fall müssen Führungskräfte nachweisen, dass sie in der Lage sind, einen professionellen Businessplan für ihren Verantwortungsbereich zu erstellen und umzusetzen (siehe Seite Umsetzungskompetenz).
  • Voraussetzung für die erfolgreiche Einführung der Transformationalen Fühurng in der Praxis ist ein unternehmensspezifisches, validiertes Persönlichkeits- und Kompetenzmodell (einschließlich Umsetzungskompetenz) notwendig.
  • Ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor ist das unternehmerische (oder wirtschaftliche) Denken und Handeln, das dir Führungskräfte am wirksamsten über ihre Vorbildfunktion im in der Unternehmenskultur verankern müssen. Langfristig kann sich keine Organisation die Verschwendung von Ressourcen leisten.

Zahlreiche empirische Studien belegen, dass die Transformationale Führung wesentlich bessere (wirtschaftliche) Leistungen bewirken kann als traditionelle Zielvereinbarungen (Transaktionale Führung). Transformational geführte Unternehmen haben eine höhere Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit und sind folglich rentabler und wachstumsstärker.

Vorteile der Transformationalen Führung

Warum ist dieser neue Führungsstil notwendig (und populär) geworden? Transformationale Führung heißt so, weil sie das Verhalten, insbesondere Verhaltensgewohnheiten, nach zahlreichen empirischen Studien gezielt verändern kann.

Mit traditionellen Zielvereinbarungen, deren Kern die Transaktionale Führung ist, gelingt es nur sehr selten, Erfolgsfaktoren wie Vertrauen, Loyalität, intrinsische Motivation oder Teamgeist zu bewirken.

Bei der Transformationalen Führung handelt es sich nicht um ein „theoretisches“ Modell (wie zum Beispiel das "Situative Führen"), sondern um konkrete ("messbare") Verhaltensweisen, die von herausragenden Führungskräften in der Praxis tatsächlich (vor)gelebt werden.

Belege für die Wirksamkeit der Transformationalen Führung

Neben der Auswertung von rund 300 (meist internationalen) empirischen Studien in denen der Zusammenhang der Transformationalen Führung und Führungserfolg untersucht wurde, haben wir unserem Konzept folgende Quellen zugrunde gelegt:

  • Inzwischen mehr als 60 persönliche Interviews mit Geschäftsführern mittelständischer Weltmarktführer (Hidden Champions)
  • Eine schriftliche Befragung von 153 Geschäftsführern, Personal- und Vertriebsleitern zufällig ausgewählter Unternehmen 
  • Auswertung von rund 600 (anonymen) Beurteilungen von Feedback-Nehmern am 360-Grad-Feedback (in unserem Executive MBA-Programm und bei zahlreichen Unternehmen (siehe Referenzen)
  • Online-Befragung von mehr als 28.000 Fach- und Führungskräften (Stand 2018)
  • Eine Studie, die wir im Auftrag eines der großen Automobilhersteller zum Thema "Best Practice in Leadership Development" durchgeführt haben. Die Erkenntnisse werden in einigen General-Management-Programmen umgesetzt (siehe Referenzen).

Die nachfolgende Abbildung fasst die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Wirksamkeit der Transformationalen Führung zusammen:

Wirkung der Transformationalen Führung

Abbildung 3: Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Wirksamkeit der Transformationalen Führung

Unterschied Transformationale und Transaktionale Führung

Bei der Transformationalen Führung handelt es sich um eine konsequente Weiterentwicklung des Führens mit Zielvereinbarungen. Diese Art zu führen wird auch als Transaktionale Führung bezeichnet; sie funktioniert nach dem Prinzip "Leistung gegen Geld" und wird in Zukunft (Stichwort neue Generation) nicht mehr ausreichend sein.

Diesen Aspekt hat Mihaly Csíkszentmihalyi mit folgenden Worten auf den Punkt gebracht:

„Die Menschen wollen nicht einfach nur für ihren Lebensunterhalt arbeiten… Sie brauchen ein sinnvolles Ziel, das eine planlose Existenz in ein zweckgerichtetes und erfreuliches Abenteuer verwandelt“.

Die nachfolgende Grafik soll den Unterschied zwischen transaktionaler und transformationaler Führung verdeutlichen.

Von der transaktionalen zur transformationalen Führung

Abbildung 3: Definition der Transaktionalen und Transformationalen Führung
nach Bass und Avolio (1994)

 

Die Trennung zwischen transaktionaler und transformationaler Führung hat sich in der Praxis als nicht sinnvoll erwiesen. Es ist eher ein akademisches Gedankenspiel. Ausführliche Informationen zum aktuellen Stand der Forschung zum Thema transaktionale  und transformationale Führung finden Sie unter "Publikationen und Vorträge" unseres Instituts für Management-Innovation.

Hinweis zur Fachliteratur

Wissenschaftlich Interessierten seien folgende Publikationen empfohlen:

  • Pelz, W.: Transformationale Führung – Forschungsstand und Umsetzung in der Praxis. In: Au, Corinna von (Hrsg.): Leadership und angewandte Psychologie. Band 1: Wirksame und nachhaltige Führungsansätze. Berlin: Springer Verlag 2016 (PDF Download unter: Transformationale Führung)

Das besondere Merkmal transformationaler Führungskräfte sind nicht "charismatische" oder "visionäre" Eigenschaften, sondern die Fähigkeit, Ziele in Resultate umzusetzen. Diese Umsetzungsstärke wurde unter dem folgenden Titel veröffentlicht:

  • Pelz, W.: Umsetzungskompetenz als Schlüsselkompetenz für Führungspersönlichkeiten. In: Au, Corinna von (Hrsg.): Leadership und angewandte Psychologie. Band 5: Führung im Zeitalter von Veränderung und Diversity. Berlin: Springer Verlag 2017 (PDF Download unter Umsetzungskompetenz)

 

Gießener Inventar (Test) der Transformationalen Führung

Link zum Test (Inventar)

Das Gießener Inventar gibt es als Selbsttest online unter dem Link Transformationale Führung. Die Ergebnisse werden objektiver, wenn man das Selbstbild durch die Einschätzungen anderer Personengruppen ergänzt. Das können die Mitarbeiter, Kollegen oder Vorgesetzte der Führungskraft sein. In diesem Falle spricht man von einem 360-Grad-Feedback.

Eine andere bewährte Methode zu Einschätzung der (transformationalen) Führungskompetenzen ist das Behavioral Event-Interview, das man bei Einstellungen und Bewerbungen oder in der Führungskräfteentwicklung einsetzen kann.

Ausführliche Informationen zur Entwicklung dieses Tests und zur Anwendung zum Beispiel in der Führungskräfteentwicklung finden Sie unter Fragebogen der Stärken und Schwächen.

Tipp zur Anwendung

  • Das erfolgreiche Praktizieren der transformationalen Führungskompetenzen setzt voraus, dass die Führungskraft die grundlegenden Management- und Führungskompetenzen - also das Handwerk der Führung - beherrscht (siehe dazu den Online-Test der grundlegenden Managementkompetenzen).
  • Dazu gehören auch die grundlegenden Planungs- und Steuerungssysteme. Eine isolierte Betrachtung der Transformationalen Führung macht also wenig Sinn. Darüber hinaus muss die Transformationale Führung mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen vereinbar sein. Beispiele für Persönlichkeitsmerkmale und Charaktereigenschaften zeigt der Persönlichkeitstest.
  • Erst die Kombination aus Persönlichkeitsmerkmalen, Werten und Kompetenzen macht die Wirkung der Transformationalen Führung aus. Außerdem ist ein Customising notwendig, weil man einen neuen Führungsstil nicht einfach in eine gegebene Unternehmenskultur "einpflanzen" oder durch traditionelle Seminare und Workshops einführen kann. Das wäre naiv und praxisfern.

Fazit

Herausragende Unternehmer (und Manager) beherrschen nicht nur die Transformationale Führung; sie verfügen auch über die dazu passenden Persönlichkeitsmerkmale, Wertvorstellungen, Ideale und (unternehmerische) Ethik  (siehe dazu auch die Seite Umsetzung der Transformationalen Führung).

*Quellen der Definition der Transformationalen Führung (Synthese)

  • Bass, B. M.: The Bass Handbook of Leadership. New York 2008
  • Cleavenger, D. J. & Munyon, T. P.: Transformational Leadership an the Meaning or Work. Harvard Business School Case Study
  • Kreitner, T. & Kinicki, A.: Organizational Behavior. New York 2010
  • Pelz, W.: Transformationale Führung – Forschungsstand und Umsetzung in der Praxis. In: Au, Corinna von (Hrsg.): Leadership und angewandte Psychologie. Band 1: Wirksame und nachhaltige Führungsansätze. Berlin: Springer Verlag 2016
  • Robbins, P. R. & Judge, T.: Essentials or Organizational Behavior. Boston 2016
  • Scheepers, C. et al.: Transformational Leadership in Sustainable Turnaround. Harvard Business School Case Study
  • Yukl, G.: Leadership in Organizations. Harlow 2013